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Hinweise zum sprachlichen Umgang über (Opfer), Betroffene und Überlebende von Gewalt und Missbrauch in der Berichterstattung. 

01) VERANTWORTUNG – Bitte bedenken Sie, dass Sie als Medienschaffende*r zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen. Sie tragen deshalb eine besondere Verantwortung fĂĽr den Umgang mit Betroffenen.

Setzen Sie ihren Texten gegebenenfalls eine sogenannte Trigger- oder Content- Warnung voraus.

02) GEWISSENHAFTE RECHERCHE – PrĂĽfen sie den Tatbestand genau. Bei einer versuchten Vergewaltigung beispielsweise ist der/die Betroffene kein Vergewaltigungsopfer. Wenn Sie aus bereits existierenden Presseartikeln abschreiben, vergewissern Sie sich, ob die Fakten stimmen. Einmal vervielfältigt, können Fehler oft nicht mehr revidiert werden und werden auf Kosten der Betroffenen oft massenweise multipliziert.

03) TATEN UND TĂ„TER KLAR BENENNEN – Benennen Sie konkret die Gewalt an den Betroffenen und holen Sie den/die Täter*in aus der Abstraktion. Schreiben Sie nicht „der/die Betroffene wurde vergewaltigt“, sondern: „der/die Täter*in hat den/die Betroffene vergewaltigt.“

Schmälern Sie mit den Motiven der Täter*innen nicht die Leiden der Betroffenen. Verharmlosen Sie Grenzüberschreitungen nicht. Betreiben Sie keine sogenannte Täter-Opfer-Umkehr.


04) SEXUALISIERTE GEWALT – Verzichten Sie auf Sensationssprache wie: Sex-Skandal etc. Sexualstraftaten sind Ausdruck von UnterdrĂĽckung, Macht und Missbrauch, nicht Ausdruck von Sex.

Der Begriff „Kinderpornographie“ verharmlost die dahinterstehende schwere sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung. Es handelt sich um gefilmte sexualisierte Gewalt an Kindern!

Das Wort „Kinderschänder“ enthält das Wort „Schande“ und impliziert den Verlust einer vermeintlichen „Ehre“ beim Opfer.

05) HĂ„USLICHE GEWALT – Verharmlosen Sie Partnerschaftsgewalt und häusliche Gewalt nicht als Beziehungsdramen. Benutzen Sie bei Mord den Begriff „Femizid“. „Erweiterter Suizid“ verharmlost Mord. 

06) ANGLIZISMEN – Auch Anglizismen wirken oft verharmlosend. „Catcalling“, ist „verbale sexuelle Belästigung“ bzw. „verbale sexualisierte Gewalt“.  „Dickpic“ ist ein „Penisbild“. „Upskirting“ ist „heimliches Fotografieren oder Filmen unter dem Rock einer Frau“. „Stealthing“ ist „das Kondom heimlich ohne Zustimmung mit dem*der Sexualpartner*in abzustreifen“.

Auch „digitale Belästigung“ ist „unter Druck setzende und angstmachende Belästigung und psychische Gewalt“.

07) KONTEXT – Setzen Sie die Tat in den gesamtgesellschaftlichen Kontext, in dem sie begangen wurde. Stellen Sie die Tat nicht als Einzeltat hin. Gehen Sie auf die oft lebenslangen Folgen fĂĽr die Betroffenen ein.

Versuchen Sie nicht die Ängste und Unsicherheiten bei Kindern, Jugendlichen und traumatisierten Erwachsenen zu verstärken, sondern finden Sie empowernde Worte und weisen Sie auf Hilfsangebote hin.

https://metoogermany.de/hilfe/

08) DARSTELLUNG DER (MUTMAĂźLICHEN) BETROFFENEN – Erweisen Sie den (mutmaĂźlichen) Betroffenen Respekt und schreiben und sprechen Sie Namen richtig. 

Achten Sie bitte generell auf geschlechtergerechte, diskriminierungs- und vorurteilsfreie Formulierungen. 

Der Begriff „Opfer“ stammt aus dem Strafrecht. In der Alltagssprache wirkt er für einige Betroffene stigmatisierend und impliziert Hilflosigkeit. Verwenden Sie lieber die Begriffe Betroffene*r oder Überlebende*r der Gewalttat oder des Missbrauchs. 

09) DARSTELLUNG DER (MUTMAĂźLICHEN) TĂ„TER*INNEN – Schmälern Sie mit den Motiven der Täter*innen nicht die Leiden der Betroffenen. Täter*innen sind keine vereinzelten Monster, sondern oft der nette Mensch von nebenan oder sogar Familienmitglieder.

10) FOTOS – Muten Sie Betroffenen keine bildfĂĽllenden Täter*-Portraits in Ihren Artikeln zu. Stellen Sie sich vor Sie wurden vergewaltigt und wo Sie hingucken springt Sie das Bild Ihrer*s Vergewaltiger*in an. Das kann sehr und mehrfach retraumatisierend sein. Verwenden Sie Symbolbilder oder (nach RĂĽcksprache) vorteilhafte Bilder der/des Betroffenen.

11) KEINE DISKRIMINIERENDE BERICHTERSTATTUNG – Berichten Sie auch ĂĽber Gewalt, die von deutschen Männern* ausgeht, nicht nur von „Ausländern“ oder „FlĂĽchtlingen“. Berichten Sie auch ĂĽber Gewalt, die an marginalisierten Bevölkerungsgruppen (z.B. trans- und queeren Personen und Menschen mit Behinderung) begangen wird.

đź’™ Bitte bilden Sie sich tiefergehend weiter! Educate yourself! đź’™

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